Verbrauchertäuschung statt Transparenz

From annawiki
Jump to: navigation, search

9. November 2012

Das Datum hat Symbolcharakter, denn mit dem Datum, das genau ein Jahr zurückliegt, ist ein Dokument gekennzeichnet, welches betitelt ist:

Gemeinsame Eklärung
Greenpeace Energy, Naturstrom, LichtBlick, Elektrizitätswerke Schönau
Verbrauchertäuschung statt Transparenz
Ökostromanbieter kritisieren: Bundesregierung unterstützt 
Täuschung bei Stromkennzeichnung

[1]

Wer sich soweit aus dem Fenster lehnt und andere wegen Verbrauchertäuschung bei der Stromkennzeichnung kritisiert, der wird wohl selber den Strom sehr transparent kennzeichnen? Denkt man. Naja, vielleicht wenn man so naiv ist wie ich es war.

Seit Anfang Oktober versuche ich mehr Ehrlichkeit bei der Stromkennzeichnung bei einem dieser Anbieter herzustellen. Im Verlauf der Recherchen, sind dann Intransparenzen und widersprüchliche Aussagen auch bei den anderen der oben genannten Anbieter aufgetreten.

Teilweise wird versichert, es würde überhaupt kein Atom- und Kohlestrom genutzt. Gegensätzlic dazu behaupten zwei Anbieter, alle würden den nutzen, weil es nicht anders geht.

Und dann sind da noch die Träger der Initiative Atomausstieg selber machen (ASM), die Verbrauchertäuschung hinnehmen. Da wird mit dem Satz "Hier können Sie sicher sein, dass Ihr Geld nicht über Umwege doch für neue Atom- oder Kohlekraftwerke verwendet wird!" für den Strom eben jener oben genannten Stromversorger geworben, obwohl doch die Anbieter selbst teilweise auf ihren eigenen Webseiten klar machen, dass es ohne Atomstrom nicht geht.

Manche dieser Träger schweigen auch einfach, ruft man an, gibt es fast immer freundliche Mitarbeiter die einen weiterleiten an die für ASM verantwortliche Stelle. Aber dort wird es dann, sagen wir mal, schwieriger.

Fragt man z.B. nach, warum die Emailanfrage nicht beantwortet wurde, gibt es Antworten wie "Wir sind nicht verpflichtet auf jede Anfrage zu antworten", obwohl es auf der Webseite heißt: "Wenn Sie mehr über den BUND wissen möchten: ... [es folgt eine Emailadresse]". (Gruss an Hr. Becker vom BUND, Sie waren einer der erschreckensten am Telefon!)

Oder es wird einem gesagt, man solle doch etwas anderes tun, und "Wenn Sie mit mir zur Demo gehen, können wir wieder Freunde sein" (Gruss an Hr. Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe. Sie haben den ersten Platz in erschreckenden Telefonaten belegt!)

Und was können die Anbieter dafür, dass ASM sie mit Falschaussagen bewirbt? Nun, sie könnten in einer Erklärung deutlich Stellung beziehen. Aber der Fall liegt ja etwas anders als man denkt. Oder als ich dachte. Naiv wiedermal. Denn, die vier Anbieter arbeiten direkt für ASM, Sie betreiben quartalsweise die "Kostenfreie Ökostrom-Hotline". ASM also eine Werbeplattform, für vier Stromanbieter, unterstützt von mehreren deutschen Umweltverbänden.

Vielleicht tat Greenpeace ganz gut daran aus solch einem Projekt, wegen interner Richtlinien auszusteigen.

Dabei wäre alles so einfach.

ASM:

  1. ASM entfernt falsche Aussagen aus dem Flyer.
  2. ASM macht klar, nach welchen Kriterien die beworbenen Anbieter ausgewählt wurden. Jeder Anbieter, der sie auch erfüllt hat Anspruch auf gleichwertige Nennung.
  3. ASM macht klar, welche der beworbenen Stromversorger ASM direkt unterstützen.

Die Träger:

  1. Die Träger veröffentlichen von welchem der auf dem Flyer genannten Unternehmen sie Geld erhalten haben.
  2. Sie veröffentlichen ebenso die Höhe der Zahlung.

Die vier Unternehmen:

  1. Die Unternehmen veröffentlichen ihre Graustromanteile auf transparente Art und Weise, inlusive einer bestmöglichen Abschätzung der Atom- und Kohlestromanteile.
  2. Die dazugehörigen Geldflüsse werden offengelegt. Da Regelenergie teurer ist, ist der Anteil des Geldes der darauf entfällt nämlich größer, als der Anteil der elektrischen Energie.

Die Unternehmen haben die gesetzlichen Kennzeichnungen kritisiert. Nun, warum dann nicht einfach im eigenen Hause die höchstmöglich transparente Kennzeichnung vornehmen?

Tobias Conradi